Erdbecken-Wärmespeicher ein Puzzleteil der Klimaneutralität

Erdbecken-Wärmespeicher ein Puzzleteil der Klimaneutralität

Klimaneutralität ist mehr als eine Vision. Kein ferner Traum, sondern ein mutiger Weg, den wir mit klugen Ideen und technischer Innovationskraft beschreiten. In Meldorf, mitten im weiten Marschland Schleswig-Holsteins wird Wärme nicht mehr verschwendet, sondern bewahrt. Für diesen zukunftsweisenden Weg entstand Deutschlands erster großer Erdbecken-Wärmespeicher. 2023/24 fertiggestellt und in Betrieb genommen, versorgt er rund 55 Wohnhäuser und Gewerbegebäude mit Wärme.
Dieser Bau belegt, dass der Aufbruch in eine neue Ära der Wärmeversorgung längst stattgefunden hat.
In eine Ära, die nicht nur nachhaltig, sondern auch unabhängig, widerstandsfähig und zukunftsfest ist.

Was ist ein Erdbecken-Wärmespeicher?

Erdbecken-Wärmespeicher sind eine Antwort auf eine der zentralen Fragen der Energiewende, wie wir Wärme über längere Zeiträume hinweg effizient und klimafreundlich speichern.
Die Idee ist ebenso simpel wie genial.
In den Boden eingelassene, mit Wasser gefüllte Speicherbecken nehmen überschüssige Wärme aus Solarthermieanlagen, industrieller Abwärme oder Biogasanlagen genau dann auf, wenn sie im Überfluss vorhanden ist, etwa im Sommer. Sie wird gespeichert und in den kalten Monaten über ein Fernwärmenetz zielgerichtet wieder abgegeben.

Dank ausgeklügelter Isolierung und schwimmender Abdeckungen bleibt der Energieverlust über Monate hinweg erstaunlich gering. So wird nicht nur Energie effizient genutzt, sondern auch ein Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet – unabhängig von fossilen Importen oder kurzfristigen Preisschwankungen. Erdbecken-Wärmespeichermachen erneuerbare Wärme planbar, abrufbar und wirtschaftlich sinnvoll nutzbar. Sie sind damit ein echtes Rückgrat für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung.

 

Der Erdbecken-Wärmespeicher in Meldorf: Pionierarbeit im Marschboden

Ein Speicher, der im Boden ruht, muss einiges aushalten. Besonders im empfindlichen Marschboden Norddeutschlands. Anders als feste Bauwerke wird hier ein riesiges Wasserreservoir mit bis zu 50 Millionen Litern Fassungsvermögen direkt in die Erde eingelassen. Damit kein Wasser austritt und vor allem kein Grundwasser eindringt wird die Speichergrube mit einer speziellen Dichtungsfolie ausgekleidet. Diese Folie ist widerstandsfähig gegen mechanische Belastungen, chemische Einflüsse und jahrzehntelangen Wasserdruck. Zusätzlich sorgt ein ausgeklügeltes Drainagesystem dafür, dass der hohe Grundwasserspiegel im Marschboden die Struktur nicht unterspült oder destabilisiert.

Die Wärmeverluste werden durch eine eigens entwickelte schwimmende Abdeckung minimiert. Diese besteht aus mehreren isolierenden Schichten und schwimmt direkt auf der Wasseroberfläche. Eine technische Lösung, die aus den Erfahrungen in Dänemark weiterentwickelt und an deutsche Gegebenheiten angepasst wurde. Dadurch bleibt die gespeicherte Wärme lediglich mit einem Verlust von weniger als 10 % pro Jahr über viele Monate hinweg erhalten.

Klimaschutz hat seinen Preis

Der Bau des Erdbecken-Wärmespeichers in Meldorf kostet rund 12 Millionen Euro. Darin enthalten sind das Speicherbecken selbst, das lokale Wärmenetz, die Anlagentechnik sowie der Anschluss aller Haushalte und Gewerbeeinheiten. Trotz erheblicher Förderung durch den Projektträger Jülich rechnet sich diese Investition derzeit noch nicht, zumindest nicht auf dem Papier. Der Hauptgrund liegt in der relativ geringen Anschlussdichte in der Region, die das System im Verhältnis zur Investitionssumme noch zu teuer macht.

Ein weiteres Hindernis war der anspruchsvolle Baugrund im Marschland. 180 Euro pro Kubikmeter Speichervolumen mussten hier veranschlagt werden.

Doch solche Pionierprojekte brauchen Raum zum Wachsen und eine faire Bewertung. Denn während ein klimafreundlicher Wärmespeicher mit 12 Millionen Euro zu Buche schlägt, kalkuliert die Stadt Dresden derzeit über 155 Millionen Euro für den Neubau der Carolabrücke. Eine Verkehrsmaßnahme, die nicht nur Emissionen produziert, sondern den motorisierten Individualverkehr weiter fördert.

Natürlich ist Infrastruktur wichtig, aber die Frage, wofür wir öffentliche Mittel einsetzen, wird mit Blick auf die Klimaziele immer drängender. Ein Erdbecken-Wärmespeicher spart langfristig fossile Brennstoffe, senkt Emissionen und sichert regionale Energieversorgung. Er ist ein zentraler Baustein für ein nachhaltiges Energiesystem.

Mit wachsender Anschlusszahl, technischen Lerneffekten und besserer Förderung sinken die Kosten künftig erheblich. Zugleich steigen durch den gesellschaftlichen und politischen Dekarbonisierungsdruck die Chancen, dass solche Investitionen nicht nur sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich tragfähig werden.
Erdbecken-Wärmespeicher ermöglichen die Integration erneuerbarer Wärmequellen und industrieller Abwärme in die lokale Energieversorgung. Sie entlasten Stromnetze, machen unabhängig von fossilen Importen und sichern ganzjährig die Versorgung, selbst bei schwankender Produktion. Für Kommunen mit einem Fernwärmenetz bieten sie enorme Chancen, klimafreundlich und wirtschaftlich zu heizen.

Meldorf ist ein erster, wichtiger Schritt, aber nicht der letzte, der die Wärmewende vorantreibt. In Bracht (Hessen) entsteht beispielsweise ein ähnlich ambitioniertes Projekt, mit Solarthermie, Wärmepumpen und Biomasse. Je mehr solcher Speicher gebaut werden, desto größer wird das Wissen, desto effizienter die Technik und desto tragfähiger das Geschäftsmodell. Was heute noch gefördert werden muss, kann morgen schon Standard sein.

Dänemarks jahrzehntelange Erfahrung mit großen Speichern

Die Idee ist nicht neu, aber in Dänemark längst Realität. Dort wurden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Großanlagen errichtet. Etwa in Vojens, wo der weltweit größte Erdbeckenspeicher (210.000 m³) über 2.000 Haushalte versorgt. Auch andere Städte wie Gram, Dronninglund oder Marstal setzen auf diese Technologie, meist in Kombination mit Solarthermie.

Die wirtschaftliche Attraktivität dieser Speicher stieg mit fallenden Preisen für Solarkollektoren und steigenden Gaspreisen. Durch angepasste Dämmkonzepte und technische Innovationen gelang es, die Effizienz stetig zu verbessern.
Deutschland profitiert heute von diesem Wissen und passt es an lokale Bedingungen an.

Diese Projekte zeigen, ist der politische Wille vorhanden und arbeiten mutige Akteure gemeinsam an Lösungen, entstehen in Deutschland neue, moderne Technologien, die zukunftsweisend sind.
Erdbeckenwärmespeicher sind ein Baustein für die Wärmewende und ein Beweis, dass Klimaschutz durch innovative Ideen, Pioniergeist, Know-how und dem Mut, neue Wege zu gehen, Realität wird.

Quellen:

Entwicklung von Erdbecken-Wärmespeichern

Übersicht Saisonalspeicher

 

Kommentare (3)

  • Horst Ulrich15. Dezember 2025

    Cool
    Mehr davon

  • Rudi Seibt15. Dezember 2025

    Nur 10% Wärmeverlust? Gelingt dies durch das niedrige Temperaturniveau?
    Und das ROI mit oder ohne CO2-Kosten als Vergleich zu Erdgasheizung oder zu Holzheizung?
    Ist der Wärmespeicher auch ein Beitrag zur Bodenvernässung, der ja unter/neben dem Speicher vielleicht nicht mehr entwässert wird? So viele gute Ideen sind in den Menschen, das eine tun, das andere nicht lassen. Aber H2 für die Hausheizung oder die Autos bleibt Bullshit.

  • Think More Green17. Dezember 2025

    Die von Ihnen aufgeworfenen Punkte sind wichtige Gedankengänge, danke dafür Herr Seibt.
    Gern gehen wir kurz auf Wärmeverluste, Wirtschaftlichkeit und die Bodenfrage ein.

    Wärmeverluste und Temperaturniveau
    Die Angabe von unter 10 % Wärmeverlust bezieht sich auf den Jahresverlust des saisonal gespeicherten Wärmemengen, nicht auf ein paar Wochen Heizbetrieb. Der geringe Verlust wird durch drei Faktoren erreicht:
    - ein moderates Temperaturniveau des Speichers,
    - das günstige Verhältnis von Volumen zu Oberfläche großer Becken,
    - eine sehr gut gedämmte, schwimmende Abdeckung direkt auf der Wasseroberfläche.
    Solche Werte liegen im Rahmen der Erfahrungen mit ähnlichen Großspeichern in Dänemark, an denen sich das Meldorfer Projekt orientiert.​

    Return on Investment mit und ohne CO₂-Kosten
    Beim ROI muss man unterscheiden zwischen rein betriebswirtschaftlicher Betrachtung heute und einer volkswirtschaftlichen bzw. klimabezogenen Bewertung. Der Erdbecken-Wärmespeicher in Meldorf rechnet sich aktuell „auf dem Papier“ noch nicht, vor allem wegen der hohen spezifischen Investition bei relativ wenigen angeschlossenen Gebäuden. Bezieht man jedoch CO₂-Kosten und langfristig steigende Preise für Erdgas in die Kalkulation ein, verbessert sich die Perspektive deutlich gegenüber einer weiterhin fossilen Gasversorgung; Holzheizungen werden von Umweltbehörden inzwischen kritischer bewertet, unter anderem wegen Feinstaub und der Gesamtklimabilanz.​

    Bodenvernässung und Entwässerung
    Die Frage nach Bodenvernässung ist berechtigt, gerade im Marschboden. Beim Speicher in Meldorf gehört deshalb ein Drainage- und Grundwassermanagement fest zum Konzept. Das Becken ist mit einer Dichtungsfolie vom Grundwasser getrennt, und ein Drainagesystem soll seitlich und unterhalb anstehendes Wasser gezielt ableiten, um weder Auftrieb noch Staunässe zu verursachen. Ob es lokal zu Veränderungen im Wasserhaushalt kommt, hängt von der konkreten Ausführung ab und wird im wasserrechtlichen Verfahren und in der Hydrogeologie standortspezifisch geprüft, pauschal „mehr Vernässung“ lässt sich daraus nicht ableiten.​

    Zu Wasserstoff im Wärmesektor
    Ihrem letzten Satz können wir in der Tendenz zustimmen. Für die Gebäudeheizung gilt Wasserstoff nach heutigem Stand als deutlich ineffizienter und teurer als Wärmepumpen und Wärmenetze mit saisonalen Speichern. Genau hier setzen Erdbecken-Wärmespeicher an. Sie ermöglichen die Nutzung von Solarwärme und Abwärme auch im Winter und stärken so eine erneuerbare, lokal verankerte Wärmeversorgung, ohne auf Wasserstoff im Hauskeller angewiesen zu sein.​
    Ihr Schlusssatz „H2 für Hausheizung oder Autos bleibt Bullshit“ trifft den Stand der Forschung recht gut.

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