Klimaschutz auf dem Teller

Klimaschutz auf dem Teller

Klimaschutz auf dem Teller

Der CO₂-Fußabdruck hat blinde Flecken

Klimafreundliche Ernährung ist längst mehr als ein Trend.
Sie ist eine positive Bewegung, die aktiv mit zur Lösung der Klimakrise beiträgt. Daher achten immer mehr beim Einkauf auf den CO₂-Fußabdruck unserer Lebensmittel.
Um die gesamte Ökobilanz eines Produkts zu erfassen, reicht der Blick auf die reinen Emissionswerte nicht aus. Ein ganzheitlicher Ansatz, deckt blinde Flecken auf und eröffnet weiter Chancen noch nachhaltiger zu handeln.

Der CO₂-Fußabdruck beschreibt die Menge an Treibhausgasen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Lebensmittels von der Produktion über Verarbeitung, Transport, Lagerung bis hin zur Zubereitung entstehen. Typische Werte zeigen, dass pflanzliche Lebensmittel deutlich besser abschneiden als tierische Produkte. Frische Karotten verursachen etwa 0,1 kg CO₂-Äquivalente pro Kilogramm, Kartoffeln 0,2 kg und Brokkoli 0,3 kg. Hafermilch liegt ebenfalls bei 0,3 kg, während Tofu mit 1,0 kg schon höher liegt. Rinderhackfleisch und Butter hingegen verursachen 9,2 kg bzw. 8,5 bis 23 kg CO₂-Äquivalente pro Kilogramm Lebensmittel.

CO-Fußabdruck: Essen mit Verantwortung

Die Haupttreiber der Emissionen sind klar. Tierische Lebensmittel verursachen rund 57 % der Emissionen im Ernährungssektor. Pflanzliche Lebensmittel, insbesondere wenn sie regional und saisonal produziert werden, haben einen extrem niedrigen Fußabdruck. Frischware ist klimafreundlicher als tiefgekühltes oder konserviertes Essen, und Luftfracht verschlechtert die Bilanz drastisch. Auch Lebensmittelverschwendung ist ein gravierender Faktor, denn für Produktion und Entsorgung werden zusätzlich Ressourcen und Energie verbraucht.

Bio-Produkte verursachen im Durchschnitt 10 bis 40 % weniger CO₂-Emissionen, vor allem bei pflanzlichen Lebensmitteln. Das liegt am Verzicht auf synthetische Stickstoffdünger, an geschlossenen Kreisläufen in der Landwirtschaft, geringerem Pestizideinsatz und oft auch der Nutzung erneuerbarer Energien bei Verarbeitung und Logistik. Zudem bieten Bio-Produkte über den CO₂-Fußabdruck hinaus Vorteile wie die Förderung von Biodiversität und Bodengesundheit.

Saisonale und regionale Produkte haben oft einen besonders geringen CO₂-Fußabdruck, da energieintensive Beheizung und lange Kühllagerung entfallen. Interessanterweise können selbst importierte spanische Freilandtomaten im Winter klimafreundlicher sein als lokal erzeugte Gewächshaustomaten. Es sei denn, die Gewächshäuser werden konsequent mit erneuerbaren Energien beheizt.

CO₂-Fokus: Ein gefährlicher Tunnelblick

Wollen wir mit unserer Ernährung zum Klimaschutz beitragen, reicht der Blick auf CO₂-Emissionen allein nicht aus. Spanische Freilandtomaten etwa schneiden beim CO₂-Fußabdruck meist besser ab als heimische Produkte und hinterlassen dennoch eine verheerende ökologische Bilanz.
Spanien leidet akut unter Wasserknappheit; 70 bis 80 % des gesamten Süßwassers werden für die Landwirtschaft genutzt. Besonders betroffen sind lebenswichtige Feuchtgebiete wie der Doñana-Nationalpark, einer der bedeutendsten Biodiversitätshotspots Europas. Durch übermäßige Wasserentnahme trocknen diese einzigartigen Ökosysteme zunehmend aus. Mit jedem weiteren Meter sinkenden Grundwassers verlieren wir nicht nur artenreiche Lebensräume, sondern auch natürliche CO₂-Speicher von unschätzbarem Wert. Austrocknende Feuchtgebiete setzen erhebliche Mengen gebundenen Kohlenstoffs frei und verstärken so den Klimawandel, den wir eigentlich bekämpfen wollen. Zudem wird für die immer tiefer werdende Wasserförderung mehr Energie benötigt, was die Umweltbilanz zusätzlich belastet. Die ökologische Kettenreaktion, die hier durch den Lebensmittelanbau ausgelöst wird, bedroht langfristig sowohl regionale als auch globale Klimaziele.

Ein gutes Beispiel für rundum klimafreundliche Lebensmittel sind Karotten und Weißkohl. Beide wachsen als anspruchslose Freilandkulturen, kommen mit wenig Wasser und Dünger aus und lassen sich ohne aufwendige Kühlung lange lagern. Ihre meist regionale Verfügbarkeit vermeidet zudem lange Transportwege. Neben ihrer guten Umweltbilanz überzeugen sie auch gesundheitlich: Karotten und Kohl liefern viele Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die das Immunsystem stärken, die Verdauung fördern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können. Sie verbinden also Klimaschutz und Genuss auf besonders einfache Weise.

Kleine Entscheidungen, große Wirkung

Klimafreundliche Ernährung gewinnt zu Recht immer mehr an Bedeutung und bietet uns allen die Chance, aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Mit einem ganzheitlichen Blick auf unsere Lebensmittel entdecken wir vielfältige Möglichkeiten, nicht nur CO₂-Emissionen zu reduzieren, sondern auch andere wichtige Umweltaspekte positiv zu beeinflussen.

Ernährung bietet viele klimafreundliche Optionen wie regionale Wurzelgemüse und Kohl, die gleichzeitig gesund, köstlich und preiswert sind. Bio-Produkte leisten mit ihrer positiven Klimabilanz und ihrem Beitrag zur Biodiversität gleich doppelt Gutes. Saisonale Produkte bringen Abwechslung auf den Teller und lassen uns den natürlichen Rhythmus der Natur genießen.

Mit jedem bewussten Einkauf gestalten wir nicht nur unsere Mahlzeiten, sondern auch unsere Zukunft ein Stück nachhaltiger. Die wachsende Bewegung für klimafreundliche Ernährung zeigt, dass wir gemeinsam genussvoll positive Veränderungen bewirken können.

 

Quellen:

Klimabilanz biologischer und konventioneller Lebensmittel im Vergleich

Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland

Kohlgemüse - Die Sorten und die gesundheitlichen Aspekte

Spanien als Beispiel für Wasserstress

Kommentare (4)

  • Nico3. November 2025

    Super Beitrag!

  • Kaktus8. November 2025

    Danke für den Kommentar.

  • Jan10. November 2025

    Gut recherchiert. Leider essen wir immernoch zu viel Fleisch.

  • Thomas Lazar14. November 2025

    Jan, hat es einen konkreten Grund, dass Sie mit Ihrer Familie noch zuviel Fleisch verzehren?

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