- 25. November 2025
Wenn Markus Söder von „Technologieoffenheit“ spricht, klingt das auf den ersten Blick modern, vernünftig, fast visionär. In Wahrheit ist es das politische Tarnwort für Stillstand und für die Weigerung, wissenschaftliche Fakten ernst zu nehmen, sobald sie den eigenen Lobbyinteressen widersprechen.
Während die Union lautstark für den Einsatz von E-Fuels als angeblich klimaneutrale Zukunft des Verbrenners trommelt, ignoriert sie genau jene wissenschaftlichen Erkenntnisse, auf die sie sich sonst so gerne beruft. Allen voran die Analysen des Fraunhofer-Instituts.
E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe, hergestellt aus Wasserstoff und CO₂, mit Hilfe erneuerbarer Energie.
Klingt sauber, ist es aber nur auf dem Papier. Die Bilanz ist katastrophal.
Nur 10 bis 15 Prozent der ursprünglich eingesetzten erneuerbaren Energie kommen tatsächlich im Fahrzeugantrieb an. Beim Elektroauto sind es 70 bis 80 Prozent.
Das heißt, wer auf E-Fuels setzt, verschwendet fünf- bis sechsmal mehr Ökostrom für denselben Kilometer.
Das Fraunhofer ISI formuliert es höflicher, aber nicht weniger deutlich:
„E-Fuels sind im Straßenverkehr weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll.“
Diese nüchterne Feststellung wird in CSU-Pressekonferenzen allerdings gerne verschwiegen. Dort klingt es dann nach technologischem Wunderstoff.
Die Herstellung von E-Fuels ist nicht nur ineffizient, sondern auch absurd teuer.
Selbst unter optimistischen Annahmen kostet der Liter synthetischer Kraftstoff 1,50 bis 3,50 Euro, also ein Vielfaches des heutigen Strompreises für E-Autos.
Damit das überhaupt funktioniert, bräuchte Deutschland gigantische Mengen zusätzlicher erneuerbarer Energie rund 640 bis 1.000 Terawattstunden jährlich allein für Pkw. Zum Vergleich: Die gesamte deutsche Stromproduktion lag 2024 bei etwa 500 TWh.
Diese Rechnung zeigt: Das ist kein Zukunftsplan, sondern eine energiepolitische Fata Morgana. Sicher wenn man die Pläne unserer Wirtschaftsministerin Reiche daneben legt.
Das große Verkaufsargument der E-Fuels lautet „CO₂-Neutralität“. Doch dieser Begriff hält einer genaueren Betrachtung nicht stand.
Zwar können E-Fuels theoretisch klimaneutral hergestellt werden, praktisch ist das aber nur unter Idealbedingungen möglich, die heute kaum existieren.
Denn für die Herstellung wird enorm viel Strom benötigt. Dieser Strom müsste zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen, um den Prozess klimaneutral zu machen.
In der Realität aber stammt der Strom, der für Pilotanlagen oder Forschungsprojekte genutzt wird, meist aus dem deutschen Strommix. Also auch aus Kohle- und Gaskraftwerken, die Frau Reiche weiter fördert.
Das Ergebnis: Bei der Produktion von synthetischem Diesel entstehen bis zu 1050 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde. Mehr als bei der Herstellung von fossilem Diesel.
Anstatt Emissionen zu vermeiden, werden sie in die Produktionskette verlagert.
Hinzu kommt ein zweites Problem: die Herkunft des CO₂, das für die Synthese benötigt wird.
Dieses kann entweder aus Punktquellen stammen, etwa aus Kohlekraftwerken oder Industrieabgasen, oder durch Direkte Luftabscheidung (Direct Air Capture, DAC) aus der Atmosphäre gewonnen werden.
Wird CO₂ aus fossilen Punktquellen verwendet, bleibt es letztlich fossilen Ursprungs und erhöht den Netto-CO₂-Gehalt in der Atmosphäre weiter.
Nur wenn das CO₂ direkt aus der Luft gefiltert und der gesamte Prozess mit erneuerbarem Strom betrieben wird, kann der Kohlenstoffkreislauf tatsächlich geschlossen werden.
Doch genau das ist technologisch aufwendig, wirtschaftlich kaum tragfähig und derzeit nur in winzigem Maßstab realisierbar.
Was auf politischen Podien als „grüne Zukunft“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine ineffiziente Verlängerung der fossilen Vergangenheit.
Anstatt konsequent auf erneuerbare Energien und Elektrifizierung zu setzen, wird weiter in fossile Strukturen mit der Illusion investiert, dass ein chemisch recyceltes CO₂ das Klima retten könnte.
Gerade die unionsgeführte Wirtschaftspolitik hält an diesem Narrativ fest, anstatt die Wahrheit auszuerkennen.
E-Fuels sind kein Befreiungsschlag, sondern ein Ablenkungsmanöver, das wertvolle Zeit, Energie und Milliarden verschwendet.
Interessant wird es, wenn man sieht, wie selektiv die Union mit wissenschaftlicher Expertise umgeht.
Als das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie die Palantir-Software prüfte, wurde das Ergebnis, trotz eingeschränkter Einsicht in den Quellcode, als Beleg für Seriosität gefeiert.
Wissenschaftliche Autorität ist da plötzlich willkommen.
Wenn dasselbe Fraunhofer-Netzwerk aber nüchtern erklärt, dass E-Fuels keine sinnvolle Option für den Straßenverkehr sind, wird diese Expertise ignoriert oder als „Einzelfallmeinung“ abgetan.
Das ist keine Technologieoffenheit, das ist Doppelmoral mit Lobby-Parteibrille.
Denn die Verteidigung des Verbrennungsmotors ist längst keine rationale Position mehr, sondern Symbolpolitik im Dienst der Autoindustrie.
E-Fuels sind das trojanische Pferd einer Politik, die Veränderung verspricht, aber das Alte bewahren will.
Das wird teuer bezahlt mit Milliardeninvestitionen in eine ineffiziente Technologie, die den Ausbau der wirklich nötigen Infrastruktur, von Ladepunkten bis zu Stromnetzen, behindert.
Technologieoffenheit ist wichtig aber sie darf kein Deckmantel für wissenschaftliche Ignoranz sein.
Denn Physik lässt sich nicht verhandeln. Und auch nicht vertagen.
Quellen:
https://efuel-today.com/herstellung-der-e-fuels-benoetigt-viel-co2/
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-928500
Kommentare (2)
Was noch dazukommt ist das wir mit E-Fuels mit hohen Energieeinsatz aus Grünen Strom lokal wieder NOx, CO und HC ausstoßen indem wir es verbrennen. Ungesunde Abgase aus Sonne und Wind, da muß man sich halt nicht umstellen.
Hallo Hoxel, danke für den Kommentar. Der Name E-Fuels sagt es ja schon, dass etwas verbrannt wird. Alles ist dann insofern auch deshalb beim Alten, dass man wieder den Tank und kein Kabel verwendet.