Zwischen Greenwashing und Verantwortung
Admin
Vor kurzem stieß ich auf einen Bericht im Spiegel:
„Greenwashing-Vorwurf: Deutsche Umwelthilfe reicht Klimaklage gegen Adidas ein“
Was ist da dran?
Mein Interesse war geweckt.
Unternehmen wie Adidas präsentieren sich ja gerne als Vorreiter nachhaltiger Entwicklung.
Aber ist Adidas bereit, für die grüne Zukunft Verantwortung zu übernehmen?
Oder handelt es sich um cleveres Marketing?
Adidas’ ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele und die Realität
Adidas hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2050 will das Unternehmen klimaneutral werden. Ein Ziel, das viele Unternehmen anstreben. Doch der Weg dahin scheint intransparent. Bis 2023 hat Adidas immerhin 99 % des von ihnen verwendeten Polyesters aus recyceltem Material gewonnen. Ein Schritt in die richtige Richtung. Auch die Treibhausgasemissionen konnten zwischen 2022 und 2023 um 3 % pro Produkt gesenkt werden, und die absoluten Emissionen wurden um 24 % verringert.
Doch könnte nicht mehr getan werden?
Die Partnerschaft mit „Parley for the Ocean“ und der Vorwurf des Greenwashings
Es war ein ambitionierter Versuch, mit Parley zusammenzuarbeiten – ein Unternehmen, das Plastikmüll aus den Meeren sammelt und recycelt.
Ziel war es, die globale Verschmutzung durch Kunststoffe zu reduzieren.
Plastikabfälle, die aus Küstenregionen und dem Meer gesammelt wurden, wurden zu Garn verarbeitet, das bei der Produktion Sportschuhen, Trikots und weiterer Sportbekleidung verwendet wurde. Adidas vermarktete diese Produkte als Teil einer umweltbewussten Kollektion, z. B. mit dem Slogan „Run for the Oceans“.
Die Entwicklung nachhaltiger Alternativen zu herkömmlichen Kunststoffen wurde aktiv vorangetrieben. Ziel war es, die Abhängigkeit von neuem Plastik zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität und Funktionalität der Produkte zu gewährleisten.
Durch gemeinsame Initiativen und Kampagnen, wie Sportveranstaltungen und Schulprogramme, wurde das Bewusstsein für die Problematik der Plastikverschmutzung geschärft.
Die Kooperation schien ein vielversprechendes Modell für nachhaltige Unternehmensführung zu sein. Doch inmitten wachsender Greenwashing-Vorwürfe gegen Adidas endete die Zusammenarbeit ende 2024.
Ein zentraler Kritikpunkt war die Diskrepanz zwischen den Marketingversprechen und den tatsächlichen Auswirkungen:
Trotz der Einführung von recyceltem Plastik blieb unklar, wie groß der Anteil dieses Materials an der Gesamtproduktion sei. Die Kommunikation darüber war ungenau, was Zweifel an der Glaubwürdigkeit weckte.
Die Verarbeitung von recyceltem Plastik sei auf ausgewählte Produktlinien beschränkt und hatte keinen grundlegenden Einfluss auf die gesamte Produktionskette.
Dieser Rückzug aus der Partnerschaft nährt die Vermutung, dass die Kooperation eher als Marketinginstrument genutzt wurde, anstatt ein ernsthaftes, langfristiges Engagement für den Klimaschutz zu werden.
Adidas erklärte zwar, dass logistische und technische Herausforderungen den fortgesetzten Einsatz von Meeresplastik erschwerten und daher von einer weiteren Zusammenarbeit abgesehen werde.
Aber ist das der einzige und wirklich Grund?
Oder steckt mehr hinter dieser Entscheidung?
Berichte von ZDF und der Non-Profit-Organisation “Flip” deckten auf, dass Adidas in diesen Regionen Plastik aus unklaren und teilweise problematischen Quellen bezog.
Quellen, in denen Kinderarbeit weit verbreitet ist. Und dies ein offenes Geheimnis ist.
Hier geht es nicht mehr nur um Umweltschutz, sondern um grundlegende menschliche Rechte, die man bereit ist zu ignorieren und zu verletzen.
Die Vorwürfe der Kinderarbeit in Produktionsketten bleiben unwidersprochen – ein Armutszeugnis unternehmerischer Selbstkontrolle.
Adidas stellte lediglich klar, dass die Qualität und die ethischen Standards dieser Lieferketten nicht im Einklang mit den eigenen Nachhaltigkeitsrichtlinien standen und betonte, dass man sich bemühe, Kinderarbeit zu verhindern.
Warum wurden diese Quellen nicht geprüft, sondern einfach genutzt?
Staatliche Regulierungen wie das Lieferkettengesetz werden von Wirtschaftsvertretern oft als Eingriff in unternehmerische Freiheiten diffamiert.
Hier zeigt die Realität erneut, dass ohne externe Kontrolle Unternehmen dazu bereit sind, ethische Standards ihren wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen.
Aber warum dann nicht weiterhin auf die Zusammenarbeit mit Parley setzen?
Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind verantwortungsvolle und in dieser Zeit unbedingt notwendige Aufgaben.
Sie erfordern Transparenz, Verantwortung und die Bereitschaft, auch schwierige Entscheidungen zu treffen.
Adidas geriet vor allem wegen der Bewerbung von Trikots, die zu 100 % aus recyceltem Plastik bestehen sollten, ins Visier der Deutschen Umwelthilfe. Die Organisation warf dem Unternehmen Verbrauchertäuschung vor, da wesentliche Informationen über die Reduktion von Emissionen und den tatsächlichen Beitrag zum Klimaschutz fehlten.
Weiter deckte sie auf, dass die Adidas-Nachhaltigkeits-Initiativen primär Marketingstrategien ohne substanzielle Veränderung sind und hält sie für rechtswidrig.
In offiziellen Stellungnahmen wirft die Deutsche Umwelthilfe Adidas vor, Klimaversprechen zu kommunizieren, ohne deren tatsächliche Umsetzung transparent zu belegen.
Die Einführung von Materialien wie Primeblue und Primegreen wirke mehr wie ein kosmetischer Eingriff denn als echte Transformation.
Zentrale Kritikpunkte waren fehlende Nachweise über reale Emissionsreduktionen, unklare Klimaschutz-Strategien bis 2050 und ein Marketing, das Nachhaltigkeit suggeriert, ohne strukturelle Veränderungen zu bewirken.
Diesen Vorwürfen werden jetzt Richter klären müssen.
Und ich, ja ich hoffe auf eine Antwort.
Auf eine Antwort, die zeigt, dass es mehr gibt als Zahlen und Versprechen.
Eine Antwort, die beweist, dass unsere Ozeane und unsere Zukunft es wert sind, dass Unternehmen bereit sind dafür zu kämpfen.