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Elektroautos vs. Verbrenner: Wer bleibt öfter liegen?

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Admin

12 Min. Lesezeit
Elektroautos vs. Verbrenner: Wer bleibt öfter liegen?

Elektroautos gelten als die Zukunft der Mobilität und trotzdem stehen sie in Deutschland oft in der Kritik. Von winterlichen Reichweitenverlusten über angebliche Pannenanfälligkeit bis hin zu überzogenen Umweltbedenken. Die öffentliche Debatte ist emotional aufgeladen und häufig negativ geprägt.

Doch was sagen die Fakten?
Die folgenden Auswertungen stützen sich auf die aktuellsten verfügbaren Pannendaten (Pannenjahr 2025) sowie internationale Erfahrungsberichte.

Werfen wir also einen Blick in Statistiken, auf internationale Erfahrungsberichte und auf die Rolle der Medien.

Pannenstatistik: Was sagen die aktuellen ADAC-Daten?

Ein direkter Vergleich aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge wäre unseriös, denn der durchschnittliche Verbrenner-Pkw ist über zehn Jahre alt, während Elektroautos im Bestand deutlich jünger sind. Da die Pannenwahrscheinlichkeit mit steigendem Fahrzeugalter zunimmt, würde ein Vergleich über den Gesamtbestand zugunsten der E‑Autos verzerrt.

Um das zu vermeiden, vergleicht der ADAC in seiner aktuellen Pannenstatistik Verbrenner und reine Elektroautos nur innerhalb der Erstzulassungsjahre 2020, 2021, 2022 und 2023. Damit liegt eine statistisch saubere Basis vor.  

Das Ergebnis ist eindeutig.
In jeder Altersklasse sind Verbrenner pannenanfälliger als Elektrofahrzeuge. Bei zweijährigen Autos musste die ADAC‑Straßenwacht 2025 im Schnitt zu 5,8 Pannen pro 1.000 Verbrennern ausrücken, bei Elektroautos waren es lediglich 2,1. Das bedeutet fast zwei Drittel weniger Pannen bei gleich alten E‑Autos.

Auch mit zunehmendem Alter bleibt der Abstand deutlich. Innerhalb von drei Jahren steigt die Pannenkennziffer bei Elektroautos von 2,1 auf 10,3 Pannen pro 1.000 Fahrzeugen im Alter von zwei bis fünf Jahre, bei Verbrennern von 5,8 auf 17,4.
Fünfjährige Elektroautos haben damit rund 40 Prozent weniger Pannen als gleich alte Verbrenner.
Ein klarer Hinweis darauf, dass elektrische Antriebe im Alltag insgesamt zuverlässiger sind.

Ursachen: Was geht bei wem kaputt?

Ein Blick in die Bauteile‑Auswertung der ADAC‑Pannenstatistik 2026 zeigt, wo Elektroautos im Alltag tatsächlich im Vorteil sind und wo beide Antriebsarten dieselbe Schwachstelle teilen.

Die mit Abstand häufigste Pannenursache bleibt unabhängig vom Antrieb die 12‑Volt‑Starterbatterie.
Fast jede zweite Panne geht auf ihr Konto. 45,4 Prozent aller Einsätze der Gelben Engel im Pannenjahr 2025 waren auf eine leere oder defekte Bordnetz‑Batterie zurückzuführen.
Trotz ihrer großen Traktionsbatterie brauchen auch Elektroautos eine zusätzliche 12‑Volt‑Batterie, die das Bordnetz versorgt. Fällt sie aus, bleibt das Fahrzeug trotz voller Hochvoltbatterie fahrunfähig.

Elektroautos teilen diese Schwachstelle mit Verbrennern, sind aber insgesamt seltener von Pannen betroffen.
Typische elektrische Fehler treten bei ihnen vor allem im Bereich Bordnetz und Elektronik auf. Apps, Komfortfunktionen und vernetzte Systeme „wecken“ das Fahrzeug häufiger als ursprünglich vorgesehen, wodurch die 12‑Volt‑Batterie stärker belastet wird. Hier ist die Pannenkennziffer für das Bordnetz bei E‑Autos teilweise höher als bei Verbrennern und spiegelt die komplexere Elektronik.

Dafür haben Elektroautos an anderer Stelle klare strukturelle Vorteile.
Im Bereich Motor, Motormanagement und Hochvoltsystem verzeichnen Verbrenner deutlich häufiger Pannen. Technisch ist das leicht erklärt.
Klassische Antriebe bestehen aus Hunderten verschleißanfälligen Komponenten wie Kolben, Ventile, Turbolader, Einspritzung, Abgasstrang, Kraftstoffsystem, ölbasierte Schmierung. Ein Elektromotor kommt oft mit einem einzigen beweglichen Teil, dem Rotor, aus. Auspuffanlage, Zündsystem, Kraftstoffsystem und Motoröl entfallen. Weniger Teile bedeuten weniger potenzielle Fehlerquellen und geringere thermische und mechanische Belastung im Alltag.

Auch bei weiteren Bauteilen zeigen sich Unterschiede.
Beim Schließsystem sind Verbrenner häufiger auf Pannenhilfe angewiesen, weil Elektroautos oft per App oder über den Hersteller entriegelt werden können. Das Problem eines im Fahrzeug versehentlich eingeschlossenen Schlüssels wird so gelöst, bevor überhaupt ein Notruf notwendig ist.
Reifenprobleme und sonstige Defekte sind relativ gleich verteilt und hängen stärker vom Nutzungsverhalten als vom Antrieb ab.

Internationale Erfahrungen: Was zeigen Norwegen, Niederlande & Co.?

In Ländern mit hoher E‑Auto‑Dichte zeigt sich im Alltag ein ähnliches Bild wie in der ADAC‑Pannenstatistik. Elektroautos gelten als zuverlässig, die meisten Probleme betreffen Infrastruktur und nicht die Fahrzeuge selbst.

  • Norwegen: 89 % aller 2024 neu zugelassenen Autos in Norwegen waren elektrisch. 2025 lag der Anteil bereits auf über 95%, der höchste Wert weltweit. Verbrenner sind bei Neuwagen faktisch ein Nischenprodukt geworden. In dieser Umgebung werden Elektroautos jeden Tag unter anspruchsvollen Bedingungen genutzt, inklusive kalter Winter. Winter‑Reichweitentests wie der jährliche „El Prix“ des norwegischen Automobilclubs NAF zeigen, dass die Reichweitenverluste je nach Modell, Temperatur und Fahrprofil meist zwischen niedrigen einstelligen Werten und rund einem Drittel liegen, ohne dass eine „Winter‑Untauglichkeit“ der Fahrzeuge konstatiert wird. Medienberichte und Branchenanalysen betonen eher die Herausforderungen bei Ladeinfrastruktur, Lieferketten für Batterien und Recyclingfragen als systematische Zuverlässigkeitsprobleme der Fahrzeuge selbst.
  • Niederlande: Auch in den Niederlanden, einem der europäischen Vorreiter beim Ladeinfrastrukturausbau, fällt das Bild positiv aus. Der EAFO Consumer Monitor 2023 zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der E‑Auto‑Fahrer:innen mit der Alltagstauglichkeit ihres Fahrzeugs zufrieden ist; 80–90 Prozent geben an, dass die Reichweite „meistens oder immer“ ausreicht. Die größten Hemmnisse werden dort nicht bei der Fahrzeugzuverlässigkeit gesehen, sondern bei praktischen Fragen: Verfügbarkeit und Information zu Ladestationen, Wartezeiten an Schnellladern, Abrechnungssysteme und Komplexität bei Auslandsfahrten.
  • USA und China: In den USA und China ist das Bild heterogener als in Norwegen oder den Niederlanden. In großen Städten und Ballungsräumen gelten Elektroautos im Alltag inzwischen als zuverlässig und gut nutzbar. Dort, wo die Ladeinfrastruktur dicht ist und Stromtarife planbar sind, spielen Pannen oder Reichweitenprobleme nur eine Nebenrolle. Im ländlichen Raum, bei langen Distanzen oder schwankenden Strompreisen dominieren dagegen nach wie vor Verbrenner. Weniger aus technischen Gründen, sondern wegen Infrastruktur, Preisrisiken und politischer Rahmenbedingungen.
    Aktuelle geopolitische Krisen wie der Iran‑Konflikt haben in den USA das Interesse an Elektroautos deutlich erhöht, weil Benzinpreise steigen und Stromer plötzlich als „Versicherung gegen den nächsten Ölpreisschock“ wahrgenommen werden. Gleichzeitig bremsen schwankende Förderprogramme und politische Gegenkampagnen den Neuwagenabsatz aus. Viele Amerikaner weichen auf gebrauchte E‑Autos aus, während neue Stromer sich schwerer tun. In China wiederum treibt vor allem Industriepolitik den Markt.
    Staatliche Programme und ein massiver Ausbau der Ladeinfrastruktur sorgen dafür, dass E‑Autos im Alltag präsent und verlässlich erscheinen, auch wenn Transparenz über Pannendaten weniger hoch ist als etwa in Europa.

Hinweis zur Datenlage:
Während für Deutschland mit den ADAC‑Pannenstatistiken sehr detaillierte und methodisch

standardisierte Zuverlässigkeitsdaten vorliegen, ist die Datenlage für die USA und China deutlich uneinheitlicher. Aussagen zur Alltagstauglichkeit stützen sich dort häufiger auf Marktbeobachtungen, Nutzerumfragen, Infrastrukturentwicklung und Verkaufsdaten als auf direkt vergleichbare Pannenstatistiken.

Reichweite und Winter

Die Sorge vor erheblichen Reichweitenverlusten im Winter zählt zu den am häufigsten geäußerten Vorbehalten gegenüber Elektroautos. Doch ein genauer Blick auf die Erfahrungen aus Norwegen, dem Land mit der höchsten E-Auto-Dichte weltweit, liefert belastbare Daten statt Bauchgefühl. Denn der norwegische Automobilclub NAF testet gemeinsam mit der Zeitschrift „Motor“ jedes Jahr dutzende E‑Autos im Winterbetrieb, oft bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt.
Die Ergebnisse sind differenziert: Kein Fahrzeug erreicht seine WLTP‑Reichweite, aber die Abweichungen liegen meist im Bereich von rund 10 bis 30 Prozent – je nach Modell, Batteriegröße und Außentemperatur. Im Wintertest 2024 erreichte etwa die chinesische Limousine HiPhi Z 522 Kilometer reale Reichweite bei offiziell 555 Kilometer WLTP, also nur rund 6 Prozent Verlust; Familien‑ und Mittelklassemodelle wie Nio EL6, Kia EV9 oder BMW i5 lagen typischerweise zwischen etwa 12 und 23 Prozent unter WLTP. In früheren Tests erzielte ein Tesla Model S bei Temperaturen zwischen 0 und minus 19 Grad rund 530 Kilometer reale Reichweite und lag damit rund 16 Prozent unter der WLTP‑Angabe.

Am anderen Ende des Spektrums befinden sich Fahrzeuge mit größeren relativen Verlusten. Teilweise wurden Abweichungen von über 30 Prozent gemessen, etwa bei Mercedes EQE 300, Skoda Enyaq Coupé RS oder Toyota bZ4X und in Extremtests mit Temperaturen um minus 30 Grad waren im Schnitt sogar rund 38 Prozent Reichweitenverlust zu beobachten. Entscheidend ist dabei, dass diese Werte unter klar definierten, realitätsnahen Winterbedingungen zustande kommen. Die Fahrzeuge starten mit vollgeladener Batterie, werden bei Minusgraden dauerhaft gefahren, bis nur noch eine geringe Restreichweite verbleibt, und sind dabei vereisten Straßen, Schnee und konstant niedrigen Temperaturen ausgesetzt.

Diese Erfahrungen aus dem Alltag eines E-Auto-Musterlandes zeigen deutlich, die Angst vor winterbedingten Problemen fußt in weiten Teilen auf überholten Vorurteilen und Einzelfallberichten, nicht auf belastbaren Fakten.

Wer sich an realen Daten orientiert, erkennt schnell, dass der Winter für moderne Elektroautos längst kein ernsthaftes Problem mehr darstellt.

E-Mobilität zwischen Fakten und Framing

Trotz der belegten technischen Zuverlässigkeit hält sich in Deutschland ein negatives Image der Elektromobilität. Die Gründe dafür sind weniger technischer, sondern kommunikativer und medialer Natur.

Skandalisierung statt sachlicher Einordnung

In der deutschen Medienlandschaft dominieren beim Thema Elektromobilität oft Ausreißer und Extremfälle, nicht die nüchternen Statistiken. Defekte Ladesäulen, überfüllte Schnellladestationen, brennende Akkus oder gescheiterte Urlaubsfahrten mit dem E‑Auto werden prominent erzählt. Nicht, weil sie häufig vorkommen, sondern weil sie sich dramaturgisch gut ausschlachten lassen.

Während der ADAC für das Pannenjahr 2024 und 2025 klar zeigt, dass Elektroautos im Alltag weniger Pannen haben als gleichaltrige Verbrenner, schreiben reichweitenstarke Medien weiter Schlagzeilen wie „Tesla bleibt wieder liegen!“ oder „Reichweite bricht im Winter dramatisch ein“. Boulevard‑Blätter und meinungsstarke Kommentarseiten inszenieren E‑Autos gern als riskante Wette, statt die nüchternen Vorteile zu erklären.

Subjektive Einzelfälle als vermeintliche Realität

Einprägsame Erfahrungsberichte von einzelnen Nutzer:innen werden häufig als Beleg für systemische Probleme gedeutet. Dabei fehlen meist Kontext und Datenlage. Was bleibt, ist das persönliche Narrativ, das sich emotional einprägt.
Ein populärer Fall ist jener von „Christian (32)“, der in mehreren Medienberichten zitiert wurde, weil er nach Problemen mit der Reichweite im Winter wieder auf einen Verbrenner umstieg. Solche Geschichten verfestigen das Bild vom unzuverlässigen E-Auto, obwohl die norwegische Realität mit realen Winterdaten völlig andere Fakten schafft.

wirtschaftlich und ideologisch geprägte Medien Argumentation                                                                

Bestimmte Medienhäuser, allen voran die Springer-Gruppe mit Bild und Welt, bedienen gezielt ein Narrativ, das Elektromobilität als Ausdruck staatlicher Bevormundung oder als Teil einer „Öko-Ideologie“ inszeniert. Dieses Framing richtet sich vor allem an eine konservative Leserschaft, die technologieoffene Lösungen wie E-Fuels bevorzugt und gleichzeitig dem E-Auto kritisch gegenübersteht. Zudem sind Verbrenner-Hersteller nach wie vor große Anzeigenkunden im Springer-Umfeld.
Die Welt spricht in ihrer Kommentierung regelmäßig von einem „Zwang zum E-Auto“, warnt vor dem „Verlust individueller Freiheit“ und propagiert Alternativen wie Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe – ungeachtet der derzeitigen technischen und ökonomischen Nachteile dieser Alternativen. Dieses Framing verlagert die Diskussion von der Sachebene auf ein ideologisch aufgeladenes Terrain.

Martin Sanders Warnung vor FUD-Kampagnen

Selbst kritische Stimmen aus der Automobilbranche, die vor Desinformationskampagnen warnen, finden in der öffentlichen Debatte kaum Gehör. Dabei zeigen gerade diese Akteure aus der Praxis, wie stark gezielte Angstmache, etwa durch sogenannte FUD-Kampagnen (Fear, Uncertainty, Doubt), den Markthochlauf der Elektromobilität behindert.

Martin Sander, bis 2024 Chef von Ford Deutschland, kritisierte öffentlich die Stimmungsmache gegen E-Mobilität. Er warnte vor Kampagnen, die durch gezielte Verunsicherung das Vertrauen in E-Autos mit spürbaren Folgen schwächen.
Ford hat in Köln die Serienproduktion des vollelektrischen Explorer gestartet. Eine speziell für den europäischen Markt entwickelter E‑SUV, der mit dem großen US‑Explorer nur den Namen teilt.
Das Werk stellt vollständig auf Elektromobilität um und hängt damit stark am Markterfolg dieses europäischen E‑Explorer. FUD‑Kampagnen, also Strategien, die bewusst Angst, Ungewissheit und Zweifel rund um E‑Mobilität säen, und negative Medienframes treffen hier nicht irgendein Nischenprojekt, sondern ein zentrales Transformationsvorhaben.

Aufmerksamkeit vor Aufklärung:

Diese Skandalisierung ist kein Zufall. Sie zahlt auf ein narratives Muster ein, das E‑Mobilität als Ausdruck staatlicher Bevormundung oder „Öko‑Ideologie“ rahmt und eine konservative Leserschaft adressiert, die sich eher mit E‑Fuels, Wasserstoff oder „Technologieoffenheit“ identifiziert.
In der Aufmerksamkeitsökonomie gilt, negative Schlagzeilen klicken besser.
Das führt dazu, dass Angstnarrative dominieren auch wenn sie im Widerspruch zu neutralen Statistiken stehen.

Abschließend lässt sich feststellen, dass die gesellschaftliche Debatte über Elektromobilität in Deutschland stark verzerrt ist. Sachliche Daten werden von emotionalen Einzelfällen überlagert, ideologisch gefärbte Medienberichte beeinflussen die Wahrnehmung, und selbst wirtschaftlich fundierte Warnungen, wie die von Martin Sander, finden kaum Gehör. Während andere Länder längst auf E-Mobilität umstellen, steht Deutschland sich selbst mit Zweifeln, Mythen und Angstnarrativen im Weg.
Wer auf Fakten statt Framing setzt, erkennt, dass die Technik bereit ist.
Nur das gesellschaftliche Klima muss noch nachziehen.

 

Quellen:

ADAC-Pannenstatistik 2026

Reichweitentest für Elektroautos im Winter

Wintertest für Elektroautos in Norwegen

Consumer Monitor 2023

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